Lohnt sich eine Steuererklärung für Familien?

Veröffentlicht am 07.08.2026
Aktualisiert am 07.08.2026

Eine Steuererklärung bietet Familien viele Möglichkeiten, zu viel gezahlte Steuern vom Staat zurückzuholen. Durch spezielle Freibeträge und gezielt absetzbare Kosten sinkt die steuerliche Belastung oft erheblich. Dieser Artikel zeigt, welche Ausgaben steuerlich absetzbar sind und wann sich die Abgabe für Eltern besonders auszahlt.

Das Wichtigste im Blick

  • Kinderfreibetrag und Kindergeld werden vom Finanzamt automatisch in der Günstigerprüfung für Familien steuerlich verglichen.
  • Betreuungskosten für Kinder sind zu 80 Prozent und bis maximal 4.800 Euro jährlich absetzbar.
  • Schulgeld und Ausbildungsfreibeträge senken die Steuerlast zusätzlich, wenn bestimmte gesetzliche Voraussetzungen für Familien erfüllt sind.

Welche Kosten für Kinderbetreuung sind steuerlich absetzbar?

Eltern können 80 Prozent der anfallenden Kinderbetreuungskosten für Kinder bis zum 14. Lebensjahr als Sonderausgaben geltend machen. Der abziehbare Höchstbetrag liegt gesetzlich bei 4.800 Euro pro Kind und Kalenderjahr. Diese steuerliche Entlastung greift für Ausgaben wie Kindergärten, Tagesmütter oder private Betreuer.

Die Zahlung muss per Überweisung erfolgen, da Barzahlungen vom Finanzamt grundsätzlich nicht anerkannt werden. Zudem ist eine Rechnung oder ein schriftlicher Vertrag über die erbrachte Betreuungsleistung zwingend erforderlich. Kosten für Freizeitaktivitäten, Nachhilfeunterricht oder Verpflegung fallen nicht unter die begünstigten Betreuungskosten und müssen strikt herausgerechnet werden. Wenn du deine Daten in WISO Steuer eingibst, werden die absetzbaren Anteile direkt berechnet und an der richtigen Stelle eingefügt.

Beispiel: Du zahlst monatlich 300 Euro für den Kindergarten deines dreijährigen Sohnes. Auf das Jahr gerechnet sind das 3.600 Euro, von denen das Finanzamt 80 Prozent, also exakt 2.880 Euro, als steuermindernde Sonderausgaben berücksichtigt.

Wie funktioniert die Günstigerprüfung zwischen Kindergeld und Kinderfreibetrag?

Das Finanzamt vergleicht bei der jährlichen Einkommensteuererklärung automatisch, ob das ausgezahlte Kindergeld oder der steuerliche Kinderfreibetrag für die Eltern finanziell vorteilhafter ist. Dieser Prozess erfordert keinen separaten Antrag und stellt sicher, dass Familien stets die maximale steuerliche Entlastung für den Nachwuchs erhalten.

Zunächst wird das Kindergeld im Laufe des Jahres monatlich als steuerfreie Leistung an die Eltern ausgezahlt. Erst mit der Steuererklärung prüft die Behörde, ob der Abzug des Kinderfreibetrags sowie des Freibetrags für Betreuung, Erziehung und Ausbildung vom zu versteuernden Einkommen eine höhere Steuerersparnis bringt als das bereits erhaltene Kindergeld. Ist die errechnete Ersparnis durch den Freibetrag tatsächlich höher, wird die Differenz ausgezahlt. Dies ist bei höheren Einkommen typischerweise der Fall. Eine Checkliste zur Vermeidung typischer Fehler: Denke daran, die „Anlage Kind“ in jedem Fall auszufüllen, da die Prüfung sonst nicht stattfinden kann, und vergiss nicht, die korrekte Steuer-Identifikationsnummer des Kindes einzutragen.

Welche weiteren Ausgaben können Familien von der Steuer absetzen?

Neben Betreuungskosten lassen sich auch Ausgaben wie das Schulgeld für staatlich anerkannte Privatschulen sowie der spezielle Entlastungsbetrag für Alleinerziehende steuerlich geltend machen. Darüber hinaus können Familien den Ausbildungsfreibetrag in Anspruch nehmen, wenn ein volljähriges Kind auswärts wohnt und sich in einer Berufsausbildung befindet.

Beim Schulgeld erkennt das Finanzamt 30 Prozent der Gebühren an, maximal jedoch 5.000 Euro pro Jahr und Kind. Kosten für Beherbergung, Betreuung und Verpflegung an der Schule sind dabei ausgenommen. Für Alleinerziehende existiert ein spezieller Entlastungsbetrag, der die steuerliche Bemessungsgrundlage senkt und direkt in die Steuerklasse II eingearbeitet werden kann. Sind die Kinder älter, greift unter bestimmten Voraussetzungen der Ausbildungsfreibetrag, der die elterliche Unterstützung während des Studiums oder der Lehre steuerlich abfedert.

Beispiel: Deine Tochter studiert in einer anderen Stadt und wohnt dort in einer eigenen Wohnung. Da du weiterhin Kindergeld für sie beziehst und sie sich in der Erstausbildung befindet, kannst du den Ausbildungsfreibetrag von 1.200 Euro in deiner Steuererklärung absetzen.

FAQ: Familien und Steuererklärung

Bis zu welchem Alter kann ich Kinderbetreuungskosten absetzen?

Du kannst Betreuungskosten bis zum vollendeten 14. Lebensjahr des Kindes steuerlich geltend machen. Für Kinder mit einer Behinderung, die vor dem 25. Lebensjahr eingetreten ist, gilt diese gesetzliche Altersgrenze jedoch nicht.

Muss ich das Kindergeld in der Steuererklärung angeben?

Der Anspruch auf Kindergeld muss in der Anlage Kind der Einkommensteuererklärung unbedingt vermerkt werden. Das Finanzamt benötigt diese Angabe zwingend, um die vorteilhafte Günstigerprüfung für den Kinderfreibetrag durchführen zu können.

Kann ich Nachhilfeunterricht von der Steuer absetzen?

Reine Nachhilfekosten gelten als private Lebensführung und sind im Normalfall steuerlich nicht absetzbar. Eine Ausnahme besteht lediglich dann, wenn die Nachhilfe aufgrund eines beruflich veranlassten Umzugs der Familie notwendig wird.

Können Großeltern Betreuungskosten steuerlich geltend machen?

Großeltern können Betreuungskosten nur dann absetzen, wenn das Enkelkind dauerhaft in ihrem Haushalt lebt und sie selbst das Kindergeld beziehen. Wenn sie nur gelegentlich aufpassen, können höchstens erstattete Fahrtkosten von den Eltern abgesetzt werden.

Was passiert mit Freibeträgen, wenn die Eltern getrennt leben?

Bei getrennt lebenden Elternteilen wird der Kinderfreibetrag sowie der Betreuungsfreibetrag grundsätzlich jeweils zur Hälfte auf beide Elternteile aufgeteilt. Eine abweichende, vollständige Übertragung auf einen Elternteil ist auf gemeinsamen Antrag oder unter bestimmten Voraussetzungen möglich.